Fragen und AntwortenWarum schreiben Sie historische Romane?Ursprünglich komme ich aus der Richtung der fantastischen Literatur. Mein erstes Manuskript war ein Roman von über tausend Seiten. Es gibt kaum etwas, womit ein Neuling einen Verleger besser dazu bringen kann, schreiend davonzulaufen, als ihm einen Fantasyroman von über tausend Seiten anzubieten. (Ich bin heilfroh, dass ich das damals gar nicht erst versucht habe.) Mittlerweile genieße ich den Luxus, in eine bereits bestehende Welt eintreten zu können und sie nicht selbst erschaffen zu müssen. Dafür nehme ich die Recherchearbeit gern in Kauf. Außerdem macht es mir Spaß, dabei jedes Mal so viel Neues zu lernen. Schon als Kind und als Jugendliche habe ich mich für fremde Kulturen und ferne Zeiten interessiert und historische Romane gelesen. Ich tue das, was 99% aller Schriftsteller tun: ich versuche, genau das zu schreiben, was ich selbst gern lesen würde. Woher nehmen Sie die Ideen und Charaktere Ihrer Geschichte? Jedenfalls nicht aus dem wirklichen Leben. Ich tauche meinen Schöpflöffel in den Kessel, in dem meine Erfahrungen brodeln und entnehme dieser zusammengekochten Essenz das Material für meine Figuren. Es sind allenfalls winzige körperliche Merkmale von Nebenfiguren, die meinem Alltagserleben entstammen. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? Zum Schreiben bin ich gar nicht gekommen, es hat mich überfallen. Eines Nachts, vor fünf Jahren, wachte ich morgens auf und fand mich im Körper einer Schriftstellerin wieder - immer noch besser als in dem eines Insekts, finde ich. Geschichten ausgedacht habe ich mir schon immer, habe sie früher allerdings gemalt oder als Comics gezeichnet. Niemand war überraschter als ich, als ich plötzlich anfing zu schreiben. Was tun Sie gerade? Ich stecke mitten in der Arbeit an meinem dritten historischen Roman, der voraussichtlich im Herbst 2011 erscheinen wird. Ich habe auch einen Roman geschrieben. Wären Sie bereit, ihn sich einmal auszuschauen? Ich würde mich geehrt fühlen, dass jemand so viel Vertrauen in mich setzt. Es gibt wenig, das mit mehr Herzklopfen verbunden ist, als zum ersten Mal sein Manuskript in fremde Hände zu legen. Dennoch - klare und harte Antwort: Nein. Ich lese keine Manuskripte (außer von Kollegen auf gegenseitiger Basis). Aus ganz verschiedenen Gründen. Einer der Gründe (aber nicht der Hauptgrund) ist Zeitmangel. Ich habe zwei Berufe, meinen Brotberuf und das Schreiben. Wenn ich nebenher noch freie Zeit hätte, würde ich sie in Dinge investieren, die z.Zt. in meinem Leben zu kurz kommen. Ein weiterer Grund (ebenfalls nicht der Hauptgrund) ist Feigheit. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß (schließlich nehmen auch Verlage von ca. tausend eingesandten Manuskripten nur eines an), dass ein Text NICHT gut ist, nicht in dem Sinn, dass er nicht meinem Geschmack entspricht, sondern in dem Sinn, dass er einfach NICHT GUT ist. Und, glauben Sie mir, der Autor, der auf ein – wie vorsichtig auch immer – geäußertes: „Bei diesem Text krankt es an so vielem, dass ich nicht glaube, dass er noch zu retten ist“ mit einem fröhlichen „Na gut, dann ist das eben nicht mein Ding, dann mach ich eben Ikebana“ antwortet – dieser Autor muss erst noch geboren werden. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat man sich vielmehr einen Feind fürs Leben geschaffen. Und nun kommt der Hauptgrund: nehmen wir an, der Text ist gut. Ich habe weder Germanistik noch Literaturwissenschaften studiert, noch arbeite ich in einem Verlag und kann abschätzen, was derzeit „gefragt“ ist. Ich bin Autorin. Ich kann lediglich nach meinem Geschmack gehen, wie jeder andere Leser auch. Damit ist niemandem gedient. Wie kann ich denn dann meinem Wunsch, Schriftsteller zu werden, näher kommen? Einem Autor stehen viele Möglichkeiten zur Verfügung, sich zu verbessern, heute mehr denn je. Jeder wird Ihnen etwas anderes raten. Natürlich ist es das Wichtigste, am Stil zu feilen und sich damit zu befassen, wie man eine spannende Geschichte erzählt. Eines meiner ersten Stilbücher (und eines, das mir besonders hilfreich war) ist „Deutsch für Profis“ von Wolf Schneider. Ein neues, sehr empfehlenswertes Buch (das auch einen erfahrenen Autor noch schamrot werden lässt, wenn er seine Lieblingsfehler darin entdeckt) ist „Vier Seiten für ein Halleluja“ von Hans Peter Roentgen. Außerdem kann ich jedem nur den Rat geben, die wunderbare Homepage meines Kollegen Andreas Eschbach aufzusuchen. Im Bereich „Über das Schreiben“ wird man viele Fragen beantwortet finden. Wenn Freunde und Bekannte (selbst dann noch, wenn man sie an einen Lügendetektor angeschlossen hat) behaupten, man sei ein begnadeter Autor, kann man die ersten Schritte in die Welt hinaus wagen. Das heißt aber noch lange nicht, sein Manuskript an einen Verlag oder eine Agentur zu schicken! Es gibt viele Internetforen für Autoren, die eine Textkritiksektion haben. Man kann dort kurze Texte einstellen und sie beurteilen lassen. Man kann auch einen freien Lektor damit beauftragen, den Text darauf zu prüfen, inwieweit er professionellen Anforderungen entspricht. Man kann Schreibkurse besuchen oder online daran teilnehmen. Erst dann, wenn Fachleute Ihnen bestätigt haben, dass Sie „soweit“ sind – erst dann sollten Sie sich auf die Suche nach einer Agentur oder einem Verlag machen. Das ist zumindest meine Meinung. Sie können sich Ihre eigene bilden oder auf jemanden hören, der eine völlig andere hat. |







